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Alte Fabriken am Rhein: sieben Orte im Wandel

Von Köln bis Bonn: Sieben ehemalige Fabrikstandorte zeigen, wie Industriehallen heute Wohnungen, Büros und Kulturorte beherbergen.

Dormagen-Bewegt · 2026-11-06
Alte Fabriken am Rhein
Alte Fabriken am Rhein · Rhein Bewegt

Wer von Dormagen aus die Städte am Rhein erkundet, kann dort auf eine Industriegeschichte stoßen, die bis heute im Stadtbild sichtbar ist. Ehemalige Fabriken wurden zu Wohnquartieren, Arbeitsorten und Kulturstätten. Sieben Beispiele aus Köln, Düsseldorf, Meerbusch und Bonn zeigen, wie unterschiedlich dieser Wandel ausfiel – und worauf sich beim Besuch der Blick richten kann.

Industriegeschichte zwischen Rhein und Stadt

Im 19. Jahrhundert wurde der Rhein zu einer wichtigen Transportader für Rohstoffe und fertige Waren. Die Industrialisierung veränderte die Städte und Gemeinden: Fabriken wuchsen, Arbeitsplätze entstanden, und vielerorts richteten sich Alltag und Wohnen nach den Schichten. Die Arbeit war häufig körperlich anstrengend und mit Lärm, Staub oder Unfallrisiken verbunden.

Heute ist an vielen dieser Standorte die Produktion beendet. Doch Backsteinfassaden, Stahlkonstruktionen und einzelne erhaltene Gebäude machen den früheren Zweck noch erkennbar. Die folgenden Orte liegen nicht in Dormagen, sondern in den Nachbarstädten und im weiteren rheinischen Umfeld. Zusammen zeigen sie verschiedene Möglichkeiten, mit industriellem Erbe umzugehen.

Fabriken und mehr
Fabriken und mehr · Rhein Bewegt

Köln: Gummi und Kabel

Clouth-Quartier: Fabrikspuren im neuen Stadtviertel

Die Rheinische Gummiwarenfabrik Franz Clouth nahm 1868 in Köln-Nippes den Betrieb auf. Sie stellte unter anderem Förderbänder und technische Gummiwaren her. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ein großer Teil des Werks zerstört; nach dem Krieg begann die Produktion erneut. 1962 beschäftigte das Unternehmen mehr als 2.200 Menschen.

Die Gummiwarenproduktion endete 1992. Mit der Einstellung der Förderbandfertigung im Dezember 2005 war schließlich auch die industrielle Produktion am Standort beendet. Auf dem rund 14,5 Hektar großen Gelände entstand das Clouth-Quartier mit Wohnungen, Büros, Bildungseinrichtungen und Gastronomie. Es bietet Wohnraum für ungefähr 3.000 Menschen.

Besonders anschaulich ist die frühere Halle 17: Ihre Backsteinfassade und Stahlkonstruktion wurden in einen modernen Wohn- und Gewerbekomplex integriert. Ein historischer Pfad mit 14 Stationen dokumentiert seit 2023 die Vergangenheit des Geländes. Beim Rundgang lässt sich darauf achten, welche Bauteile erhalten blieben und wie sie in die neue Nutzung eingebunden sind.

Rhein und Wirtschaft
Rhein und Wirtschaft · Rhein Bewegt

Carlswerk: Vom Kabelstandort zu Kultur und Arbeit

In Köln-Mülheim eröffnete Felten & Guilleaume 1874 einen großen Standort für Draht- und Kabelproduktion. Die Erzeugnisse wurden auch bei bedeutenden Infrastrukturprojekten eingesetzt: 1904 war das Carlswerk an der Herstellung eines frühen transatlantischen Telefonkabels beteiligt. Auch die Tragseile der Mülheimer und der Rodenkirchener Brücke stammten aus der Produktion. Zeitweise arbeiteten in der Draht- und Kabelfertigung bis zu 18.000 Menschen.

Heute gibt es auf dem Gelände Arbeitsplätze, Veranstaltungsräume, Gastronomie und Freizeitangebote. Historische Hallen wurden umgebaut und teilweise unter Denkmalschutz gestellt. Der Wechsel der Nutzung ist hier besonders deutlich: In Gebäuden, die einst der Produktion dienten, finden heute unter anderem Konzerte und Kulturveranstaltungen statt.

Düsseldorf und Meerbusch: Stahl und Waschmittel

Areal Böhler: große Hallen mit neuer Nutzung

An der Stadtgrenze zwischen Düsseldorf und Meerbusch begann 1914 die Geschichte eines großen Stahlwerks. Über Jahrzehnte wurden auf dem Gelände hochwertige Stahlerzeugnisse hergestellt und verarbeitet. Nach dem Wandel der Stahlindustrie verlor das Werk seine ursprüngliche Funktion; die schrittweise Revitalisierung begann 2012.

Als es am Rhein noch rauchte
Als es am Rhein noch rauchte · Rhein Bewegt

Heute dient das Areal Unternehmen, Messen, Sport, Gastronomie und Veranstaltungen. Backsteinfassaden, Stahlträger und große Hallen lassen die industrielle Herkunft weiterhin erkennen. Beim Besuch lohnt sich der Blick auf die Dimensionen der Gebäude: Sie geben einen Eindruck davon, wie stark die Architektur auf die frühere Nutzung ausgerichtet war.

Schwanenhöfe: eine Marke bleibt im Namen

In Düsseldorf-Flingern entstand 1897 an der Erkrather Straße eine Produktionsstätte für Seifenpulver. Der Chemiker Ernst Sieglin entwickelte gemeinsam mit dem englischen Chemiker Richard Thompson ein neuartiges Waschmittel. Es wurde als Dr. Thompson’s Seifenpulver vermarktet; das Markenzeichen zeigte einen weißen Schwan auf roter Verpackung.

2011 entstand auf dem historischen Gelände das Quartier Schwanenhöfe. Zehn Gebäude mit unterschiedlicher industrieller Vergangenheit beherbergen heute Unternehmen, kreative Arbeitsbereiche, Gastronomie und Veranstaltungsangebote. Der Name erinnert an das Waschmittel und sein Schwanenmotiv.

Bonn-Beuel und Ramersdorf: Zement, Brot und Jute

Auch im rechtsrheinischen Bonn prägten verschiedene Industriezweige die Stadtentwicklung. In Beuel und dem benachbarten Ramersdorf entstanden Betriebe für Zement, Jute, Tapeten, Chemikalien und Lebensmittel. Drei Orte zeigen, wie unterschiedlich die Gebäude und Areale heute genutzt werden.

Bonner Bogen: erhaltene Zeugnisse des Zementwerks

1858 nahm in Bonn-Ramersdorf eine Zementfabrik den Betrieb auf. Sie gehörte zu den frühen bedeutenden Herstellern von Portlandzement in Deutschland; der Industrielle Hermann Bleibtreu trieb die Entwicklung des Standorts voran. 1987 endete die Produktion. Die meisten Fabrikgebäude wurden abgerissen, erhalten blieben unter anderem die Rohmühle, ein Wasserturm und die ehemalige Fabrikantenvilla.

Seit Beginn der 2000er-Jahre entstand auf dem Gelände ein Quartier mit Büro- und Dienstleistungsstandorten. Die historische Rohmühle wurde saniert und durch moderne Architektur ergänzt; heute gibt es dort Büroflächen und Gastronomie. Das Beispiel zeigt, dass ein Standort seine industrielle Prägung nicht vollständig verlieren muss, selbst wenn nur einzelne Gebäude erhalten bleiben.

Brotfabrik Beuel: von der Backstube zum Kulturzentrum

August Osberghaus gründete 1903 die Germania-Brotfabrik in Bonn-Beuel. In den 1970er-Jahren konnten dort bis zu 1.200 Brote pro Stunde hergestellt werden. 34 Lieferfahrzeuge belieferten täglich Hunderte Kunden. 1984 wurde die Produktion eingestellt.

Schon 1986 begann in dem Gebäude der Spielbetrieb. Künstlerinnen und Künstler nutzten die Räume für Theater, Film und kulturelle Veranstaltungen. Aus der Fabrik entwickelte sich ein Kulturzentrum mit Theater, Kino, Tanz und weiteren Angeboten. Die Nutzung änderte sich, doch der Ort blieb ein Treffpunkt.

Jutefabrik Beuel: Industriearchitektur für Kultur

An der Siegburger Straße in Beuel entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine große Jutespinnerei und Weberei. Aus Jute wurden Säcke, Gewebe und Verpackungsmaterial für Handel, Landwirtschaft und Industrie hergestellt. Vor dem Ersten Weltkrieg waren zeitweise bis zu 1.500 Menschen im Betrieb beschäftigt.

Später wechselte das Unternehmen zu anderen Materialien und produzierte unter anderem Kunstleder, Bodenbeläge und Kunststoffprodukte. 1980 endete der Betrieb. Die Stadt Bonn übernahm das Areal und nutzte Teile der Gebäude für Theater- und Werkstattzwecke. Seit 2016 befindet sich dort auch das Pantheon-Theater.

Beim Rundgang auf mehr als Fassaden achten

Die sieben Standorte erzählen keine einheitliche Erfolgsgeschichte. An manchen Orten sind große Teile der früheren Fabrik verschwunden, andernorts wurden Hallen oder einzelne Gebäude in neue Quartiere integriert. Auch der Wechsel zur Kultur- oder Büronutzung bedeutet nicht, dass die frühere Arbeitswelt vollständig sichtbar wird.

  • Welche Backsteinfassaden, Stahlträger oder Hallen sind noch zu erkennen?
  • Wurden frühere Fabrikgebäude weitergenutzt oder durch neue Architektur ergänzt?
  • Wie hat sich das Gelände verändert, seit dort nicht mehr produziert wird?

Hinter den Gebäuden stehen auch die Erfahrungen der Beschäftigten. Schichtpläne prägten den Alltag ganzer Familien; Arbeit konnte anstrengend und gefährlich sein. Wenn ein Betrieb schloss, verschwanden deshalb nicht nur Maschinen und Arbeitsplätze, sondern oft auch ein wichtiger Teil der Lebensgeschichte eines Stadtteils.

Für Leserinnen und Leser aus Dormagen bieten die Beispiele einen Anstoß, bei Ausflügen in die umliegenden Städte genauer hinzusehen. Industriegeschichte findet nicht nur im Museum statt: Sie steckt auch in heutigen Wohnquartieren, Arbeitsorten und Kulturstätten. Die Orte liegen in Köln, Düsseldorf, Meerbusch und Bonn – und zeigen, wie vielfältig das industrielle Erbe am Rhein weiterlebt.

Quelle: RHEIN BEWEGT.

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