Ein Beet im Innenhof, Kräuter auf einer gemeinschaftlich genutzten Fläche oder Obststräucher in einem naturnahen Garten: Urban Gardening bringt Pflanzen und Menschen in der Stadt zusammen. Beispiele aus Köln, Düsseldorf und Bonn zeigen, wie solche Projekte funktionieren. Für Dormagen ist dabei vor allem die Frage interessant, was sich daraus für Nachbarschaften und bislang wenig genutzte Flächen lernen lässt.
Was Urban Gardening ausmacht
Urban Gardening bedeutet Gärtnern im städtischen Raum. Gemüse, Kräuter, Blumen oder Obst wachsen etwa in Hochbeeten, Innenhöfen und Gemeinschaftsgärten. Anders als beim klassischen Kleingarten steht bei vielen Projekten nicht die einzelne Parzelle im Mittelpunkt: Menschen gestalten und pflegen die Fläche gemeinsam.
Der Nutzen geht über die Ernte hinaus. Beim Pflanzen und Pflegen kommen Nachbarinnen und Nachbarn ins Gespräch, tauschen Wissen aus und übernehmen Verantwortung für einen gemeinsamen Ort. Blühpflanzen und naturnahe Bereiche können außerdem Nahrung und Rückzugsorte für Insekten bieten.
Drei Beispiele aus der Region
Köln: NeuLand entwickelt einen essbaren Waldgarten
Der Verein Kölner NeuLand verwandelte ab 2012 eine brachliegende Gewerbefläche an der Alteburger Straße in der Südstadt in einen Gemeinschaftsgarten. Anfang 2024 zog das Projekt an die Koblenzer Straße 13 in der Parkstadt Süd um. Dort soll der Garten langfristig Teil des entstehenden Großparks werden.
Inzwischen arbeitet NeuLand verstärkt an einem essbaren Waldgarten. Geplant sind unter anderem Obst- und Nussbäume, Beerensträucher und mehrjährige Pflanzen. Das Projekt beschäftigt sich auch mit Bodenaufbau und Wasserspeicherung. Die Idee der Schwammstadt: Regenwasser möglichst dort zurückhalten, wo es fällt.
Düsseldorf: Düsselgrün setzt auf gemeinsames Lernen
In Oberbilk bewirtschaften Engagierte den Gemeinschaftsgarten Düsselgrün auf einer Grünfläche im Bereich der Velberter Straße. Der Garten versteht sich als Treffpunkt und Lernort. Gartenwissen muss man nicht mitbringen: Fragen zu Anzucht, Pflanzenkombinationen und Bodenpflege lassen sich beim gemeinsamen Arbeiten praktisch angehen.
Der Trägerverein Niemandsland e. V. unterstützt das Projekt. Düsselgrün steht zudem in einem größeren Zusammenhang: Düsseldorf fördert unter dem Konzept „Essbare Stadt“ unterschiedliche Formen des Gärtnerns, etwa in Gemeinschaftsgärten, auf Balkonen und in Vorgärten.
Bonn: StadtFrüchtchen bringt Gärtnern in die Innenstadt
Am Nesselroder Hof ist aus ersten Hochbeeten der Gemeinschaftsgarten StadtFrüchtchen entstanden. Die Initiative startete 2017 mit der Frage, wie Menschen in der Stadt wieder stärker erleben können, wo ihre Lebensmittel herkommen. Heute wachsen dort Gemüse, Kräuter und weitere Pflanzen. Auch Bienen haben einen Platz.
StadtFrüchtchen ist Teil eines Bonner Netzwerks für essbare Stadt und urbanes Gärtnern. Die Projekte verbinden Lebensmittelanbau mit Nachbarschaft, Umweltbildung und der Förderung biologischer Vielfalt.
Was solche Gärten für Dormagen bedeuten können
Die Beispiele liefern keine Blaupause, die sich einfach übertragen lässt. Sie zeigen aber, worauf es bei einem Gemeinschaftsgarten ankommen kann: eine gemeinsam genutzte Fläche, klare Absprachen und Menschen, die Aufgaben und Wissen miteinander teilen. Ein solches Projekt kann auch klein anfangen. Wichtig ist, vorab zu klären, wer die Fläche nutzen darf und wie Pflege und Verantwortung organisiert werden.
Für Dormagenerinnen und Dormagener liegt der praktische Nutzen zunächst darin, die eigene Nachbarschaft in den Blick zu nehmen: Gibt es einen geeigneten Innenhof oder eine andere gemeinschaftlich nutzbare Fläche? Haben weitere Menschen Interesse? Ist die Eigentümerschaft mit einer Nutzung einverstanden? Das sind sinnvolle erste Fragen, bevor Beete angelegt oder Pflanzen besorgt werden.
Mehr Grün – aber keine Lösung für alles
Pflanzen spenden Schatten und geben Wasser über Verdunstung ab. Unversiegelte, bewachsene Böden können Regenwasser besser aufnehmen als versiegelte Flächen. Wie stark sich das auswirkt, hängt jedoch von Größe, Bepflanzung, Boden und Umgebung ab. Ein einzelner Gemeinschaftsgarten beseitigt keine städtische Hitzebelastung, kann aber Teil eines größeren Netzes grüner Flächen sein.
Auch für die Artenvielfalt zählt die Gestaltung: Unterschiedliche Blütezeiten, geeignete heimische Pflanzen, offene Bodenstellen und Totholz können Lebensräume und Nahrung für Insekten unterstützen. Ein Garten muss daher nicht nur auf möglichst viel Ernte ausgerichtet sein.
So gelingt der Einstieg
- Nach Mitstreitenden suchen: Gemeinsam lässt sich klären, welche Ziele und Aufgaben ein Projekt haben soll.
- Fläche und Erlaubnis klären: Vor dem Start muss feststehen, ob die Fläche genutzt werden darf und welche Regeln gelten.
- Klein planen: Ein überschaubares Beet kann helfen, Pflegeaufwand und Zusammenarbeit zunächst praktisch zu erproben.
- Aufgaben verteilen: Gießen, Pflanzenpflege und Organisation sollten nicht an einzelnen Personen hängen bleiben.
- Wissen teilen: Erfahrung ist hilfreich, aber keine Voraussetzung. Vieles lässt sich gemeinsam lernen.
Auch im Herbst und Winter gibt es im Garten etwas zu tun: Beete können vorbereitet, mehrjährige Pflanzen gepflegt und das nächste Gartenjahr geplant werden. Wer in Dormagen ein Gemeinschaftsprojekt starten oder unterstützen möchte, kann deshalb zunächst in der eigenen Nachbarschaft nach Interessierten suchen und gemeinsam die passenden nächsten Schritte klären.